Studie „Sexismus am Arbeitsplatz“

63 % der Erwerbstätigen in Deutschland haben bereits Sexismus am Arbeitsplatz erlebt.

Das ist kei­ne Randerscheinung.
Das ist auch kein „Einzelfall“ oder eine so gern ange­nom­me­ne „Ausnahme“.
Und ganz sicher ist es kein „Missverständnis“.



Es ist ein struk­tu­rel­les Problem und die aktu­el­le Studie des Bundesministerium für Bildung, Familie, Senioren, Frauen und Jugend und der EAF Berlin. Diversity in Leadership im Rahmen des „Bündnis „Gemeinsam gegen Sexismus“ zeigt, wie tief das ver­an­kert ist.
Betroffen sind:

→ 70 % der Frauen
→ 52 % der Männer
→ 81 % der gen­der­quee­ren Personen
→ Besonders häu­fig betrof­fen sind außer­dem que­e­re Menschen sowie men­schen mit Migrationsgeschichte, Behinderung oder Sorgeverantwortung.
→ Wer bereits Benachteiligung erlebt, wird noch häu­fi­ger Ziel von Sexismus.

Die Folgen sind mas­siv: Psychisch, phy­sisch, sozi­al und beruf­lich.
Und trotz­dem schwei­gen die meis­ten Betroffenen:
93 % wen­den sich nicht an ihre Führungskraft.
98 % wen­den sich nicht an offi­zi­el­le inter­ne Melde- oder Unterstützungsstellen.

Warum?

1. Weil vie­le Betroffene kein Vertrauen in bestehen­de Strukturen haben.
2. Weil sie Angst vor Konsequenzen haben.
3. Weil häu­fig nicht die Personen adres­siert und pro­ble­ma­ti­siert wer­den, die Grenzen über­schrei­ten, son­dern die Betroffenen.
4. Weil vie­le bereits erlebt haben, wie Kolleg*innen nach Beschwerden kün­di­gen, krank oder iso­liert wer­den.
5. Weil arbeits­recht­li­che Schritte Kraft, Geld und Ressourcen kos­ten.
6. Weil vie­le nicht wis­sen, dass sie Rechte und ihre Arbeitgebenden und Führungskräfte Pflichten haben.
7. Weil zahl­rei­che Arbeitgebende ihrer Verantwortung nicht aus­rei­chend nach­kom­men: Schutzkonzepte feh­len, Ansprechpersonen sind nicht sicht­bar, Meldestellen funk­tio­nie­ren nicht oder Mitarbeitende wer­den nie zu Sexismus und Diskriminierung geschult.


Wenn ich Vorträge oder Workshops zu die­sem Thema hal­te, die nicht ver­pflich­tend sind, sit­zen dort zu 95 % Frauen. Betroffene Frauen.
Menschen, die bereits sen­si­bi­li­siert sind.
Wo sind die Männer?
Wo ist die Arbeit mit Tatpersonen?
Wo sind die Führungskräfte?

Genau des­halb reicht Sensibilisierung allein nicht aus.
Wir brau­chen ver­bind­li­che Konsequenzen durch
unab­hän­gi­ge Beschwerde- und Aufsichtsstellen,
kla­re und regel­mä­ßig geprüf­te Schutzpflichten für Arbeitgebende,
wirk­sa­me Sanktionen bei Untätigkeit,
Prävention statt Schadensbegrenzung,
Führungskräfte, die Verantwortung über­neh­men,
Strukturen, denen Betroffene ver­trau­en kön­nen.

Darum for­de­re ich eine wei­te­re Reform des Allgemeinen Gleichbehandlungsgesetzes (AGG) zu genau die­sen Aspekten. Die Petition dazu liegt dem Deutschen Bundestag unter der Petitions-ID 199047 vor.

Denn Diskriminierung und Gewalt ver­schwin­den nicht durch Schweigen.
Sie enden erst, wenn Strukturen ver­än­dert wer­den.

Und das Tolle dar­an: Alle pro­fi­tie­ren!
Denn Menschen arbei­ten bes­ser dort, wo sie geschützt, ernst genom­men und respek­tiert wer­den.

Hier geht es zur Studie: https://​gemein​sam​-gegen​-sexis​mus​.de/​s​e​x​i​s​m​u​s​-​a​m​-​a​r​b​e​i​t​s​p​l​a​t​z​-​s​t​u​d​ie/

@Verena Arps-Roelle

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