7 Mythen zu sexueller Belästigung

Viele Unternehmen, Führungskräfte und Mitarbeitende betrach­ten Sexismus, Stereotype und sexu­el­le Belästigung – also sexua­li­sier­te Gewalt – als Problem der jeweils Betroffenen, des Teams oder einer zustän­di­gen Abteilung. Und auf kei­nen Fall als eige­nes Thema.
Genau die­se Haltung ver­hin­dert wirk­sa­me Prävention, Intervention und Veränderung.

Sexualisierte Gewalt am Arbeitsplatz macht nicht an Organigrammen halt.
Sie beein­flusst das Sicherheitsgefühl von Beschäftigten, das Vertrauen in Führung und die Glaubwürdigkeit der gesam­ten Organisation.


Die Folgen rei­chen von Erkrankungen, sin­ken­der Arbeitszufriedenheit, erhöh­ten Fehlzeiten und Fluktuation bis hin zu Produktivitätsverlust und Wissensabfluss:

→ Wer sich nicht sicher fühlt, arbei­tet anders.

→ Wer erlebt, dass Grenzverletzungen igno­riert oder baga­tel­li­siert wer­den, ver­liert Vertrauen.

→ Wer das ver­liert, geht oft – und nimmt Erfahrung, Wissen und Kolleg*innen mit.


Dazu kommt:
Die meis­ten Vorfälle wer­den nie offi­zi­ell gemel­det.
Betroffene schwei­gen aus Angst vor Nachteilen, Schuldzuweisungen, Karriereeinbußen oder weil sie bereits erlebt haben, dass Meldungen kei­ne Veränderung bewir­ken.
Doch was nicht gemel­det wird, kann auch nicht sank­tio­niert oder gestoppt wer­den. Fehlende Beschwerden sind kein Beweis für feh­len­de Vorfälle, son­dern oft für eine Kultur des Schweigens, der Unsicherheit oder der Angst.

Wer sagt: „Davon habe ich noch nie etwas gehört“, soll­te sich fra­gen, ob im Unternehmen genug Vertrauen besteht, um dar­über zu spre­chen.
Führung bedeu­tet nicht nur Verantwortung für Ergebnisse, Prozesse und Kennzahlen. Führung bedeu­tet auch Verantwortung für die Bedingungen, unter denen Menschen arbei­ten.
Dazu gehört, Grenzen zu wah­ren, Risiken ernst zu neh­men und bei Grenzverletzungen kon­se­quent zu han­deln.

Unternehmen mit weni­gen oder kei­nen gemel­de­ten Fällen soll­ten prü­fen, ob ihre Schutzkonzepte, Meldewege, Ansprechpersonen und Leitlinien tat­säch­lich wirk­sam sind – oder nur for­mal exis­tie­ren und unge­wollt bestehen­de Machtverhältnisse und Täter*innen schüt­zen.

Denn jede Aktion und Reaktion, eben­so wie jede feh­len­de Aktion udn Reaktion, prä­gen das Vertrauen, die Arbeitsatmosphäre und die Unternehmenskultur.

Sexuelle Belästigung ist immer ein Führungs- und Kulturthema.
Und des­halb geht sie alle an.

@Verena Arps-Roelle

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