Pride

Der Pride Month ist wich­tig.
Der Pride Month ist kein Deko-Monat.
Keine Regenbogenfilter-Phase für Marken.

Pride ist Widerstand.
Gegen ein System, das que­e­re Menschen his­to­risch kon­trol­liert, sexua­li­siert, lächer­lich gemacht, patho­lo­gi­siert und ange­grif­fen hat – und es in vie­len Kontexten immer noch tut.

Denn que­e­re Menschen erle­ben zum Beispiel Gewalt nicht zufäl­lig, son­dern struk­tu­rell erhöht. In Familien. In Partner*innenschaften. In Institutionen. In Dating-Kontexten. In medi­zi­ni­schen Settings. Und oft in einer Unsichtbarkeit, die dop­pelt ver­letzt, weil sie nicht nur die Tat, son­dern auch die Erzählbarkeit der Tat infra­ge stellt.
Und ich fra­ge mich dann:

→ Wer wird gesell­schaft­lich als glaub­wür­dig aner­kannt, wenn jemand sagt: „Mir ist Gewalt pas­siert“?

→ Wer wird ernst genom­men und wer wird wie­der in ste­reo­ty­pe Schubladen gedrückt?

→ Wer wird nicht nur mut­ge­meint, son­dern auch mitgedacht?


Pride und Feminismus sind für mich auch des­halb kei­ne hüb­sche Allianz, son­dern eine Notwendigkeit. Feminismus ohne que­e­re Perspektiven bleibt blind für bestimm­te Machtachsen. Und que­e­re Kämpfe ohne femi­nis­ti­sche Analyse blei­ben oft unvoll­stän­dig im Blick auf Gewaltstrukturen, Körperpolitik und die Art, wie Kontrolle über Sexualität und Grenzen orga­ni­siert wird.
Beides zusam­men wirkt für mich ganz­heit­lich und sich gegen­sei­tig bestär­kend.

Was mich als Teil der LGBTQIA+ Community, als Aktivistin und Überlebende aller­dings immer wie­der wütend und trau­rig macht:
Wie schnell Pride kon­su­mier­bar wird, solan­ge er bequem bleibt.
Solange er sich gut ver­kau­fen lässt.
Solange er kei­ne Fragen stellt, die wirk­lich weh­tun.

Und wie schnell das kippt, wenn Zivilcourage not­wen­dig, wenn eine kla­re Haltung gefor­dert und Konflikte aus­ge­hal­ten wer­den müs­sen.
Wenn es nicht mehr um Symbolik geht, son­dern um Verantwortung.
Wenn Betroffene nicht nur gehört, son­dern auch geschützt und mit­ge­dacht wer­den müs­sen. Wenn Strukturen sich wirk­lich ändern müs­sen und nicht nur die Logofarben.

Dann wird aus Celebrate Pride plötz­lich „Seid doch nicht so laut“.
Aus Sichtbarkeit wird Störung.
Aus Marketing wird plötz­lich Polarisierung.

Und genau da zeigt sich, ob eine Haltung echt ist.
Ich ver­tei­le des­halb ein kla­res Nein an alle, die Diversität fei­ern, solan­ge sie deko­ra­tiv bleibt, jedoch weg­sor­tie­ren, sobald sie Forderung wird.

Und ich dan­ke allen, die auch dann für Pride (ein)stehen, wenn es unbe­quem wird – mit Konsequenzen, mit Schutz und mit Veränderung. Gemeinsam bewe­gen wir noch viel mehr!

Happy Pride Month! 🌈

@Verena Arps-Roelle

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