Content-Hinweis: Diese Seite thematisiert sexualisierte Gewalt. Das Lesen kann belastend oder aufwühlend sein. Achte gut auf dich. Du entscheidest selbst, ob und wann du weiterlesen möchtest. Wenn du Unterstützung brauchst, wende dich an eine der Unterstützungsstellen.

Not your Sexobject

Drei von vier Bedienungen auf dem Oktoberfest haben sexu­el­le Belästigung erlebt. Ja, auch in die­sem Jahr.

WARUM IST DAS SO?

  1. Frauen wer­den objek­ti­fi­ziert durch sexu­ell anre­gen­de Arbeitskleidung und ihre Dienstleistungspflicht.
  2. Der in Strömen flie­ßen­de Alkohol tut sein Übriges: Er ent­hemmt, wirkt anre­gend und lässt Grenzen verschwimmen.
  3. Verhaltensweisen, die zu einem ande­ren Zeitpunkt viel­leicht oder hof­fent­lich als unan­ge­mes­sen gel­ten, wer­den dann als akzep­ta­bel oder sogar „dazu gehö­rend“ wahrgenommen.

„Oktoberfest ist nur ein­mal im Jahr!“, „Wer kann einem so schö­nen Anblick schon wider­ste­hen?“ und „So sind wir Männer halt…“ ver­zer­ren und bestär­ken die Tatpersonen und schüch­tern die Betroffenen ein – schließ­lich sind sie da, um zu bedie­nen, wol­len kei­nen Ärger oder die gute Stimmung ver­sau­en und erst recht kei­ne Auseinandersetzung mit ihren Vorgesetzten.

WAS BEDEUTET DAS?

Dann wer­den Frauen als ver­füg­ba­re Objekte des Begehrens wahr­ge­nom­men und auch so behan­delt. Und dann ist es vom Gucken, zum Anfassen, zur Aufforderung, zur Belästigung nicht mehr weit.

Und dann? Befinden wir uns wie­der in einem Strudel aus Scham und Schuld, aus ver­meint­li­chem Freiheitsentzug und Täter-Opfer-Umkehr. Die Betroffenen füh­len sich ohn­mäch­tig, wäh­rend die Täter sich in ihrer ver­meint­li­chen, umkon­fron­tier­ten und unge­stopp­ten „Normalität“ bewe­gen. Durch das kol­lek­ti­ve Schweigen oder mit­ma­chen, ver­stärkt sich die­se Situation nur.

Und ja, dar­über gibt es Statistiken und Forschungen. Diese bele­gen nicht nur die Häufigkeit sexu­el­ler Belästigung, son­dern auch die tief ver­wur­zel­ten gesell­schaft­li­chen Strukturen, die sol­ches Verhalten begünstigen.

WAS KÖNNEN WIR TUN?

Hinsehen, Hinhören und Handeln. Tatpersonen anspre­chen und zum Stoppen auf­for­dern. Taten mel­den. Bei der Geschäftsführung, der Schichtleitung, der Polizei. Betroffene Personen unter­stüt­zen. Auch bei ver­meint­lich klei­nen Übergriffen, wie Kommentare, sexu­el­le Aufforderungen oder einen Klaps auf den Po. Auch das ist bereits über­grif­fig und ggf. straf­bar. Doch ledig­lich 13% – 17% der Arbeitnehmerinnen in Deutschland, die sexua­li­sier­te Gewalt am Arbeitsplatz erfah­ren, mel­den dies.
Dabei gilt:

  • Frauen dür­fen Dirndl und Ausschnitt tra­gen, ohne Ziel von Belästigung zu werden.
  • Frauen dür­fen auf dem Oktoberfest arbei­ten, ohne zum zur Verfügung ste­hen­den sexu­el­len Objekt zu werden.
  • Frauen dür­fen sich weh­ren, ohne als hste­risch oder zu sen­si­bel abge­stem­pelt zur werden.
  • Frauen dür­fen und müs­sen sich sicher füh­len, in jeder Umgebung, auch auf dem Oktoberfest.

Männer müs­sen das ver­ste­hen. Tun sie das nicht, müs­sen Sie Konsequenzen erfah­ren. Der Rausschmiss aus dem Zelt, der Verweis vom Festplatz, die Anzeige.
Der Schutz vor sexua­li­sier­ter Gewalt am Arbeitsplatz, und das gilt auch für Bierzelte, ist für Arbeitgebende verpflichtend.

© by Verena Arps-Roelle

HILFEPORTALE

Bist Du sel­ber betrof­fen von sexua­li­sier­ter Gewalt? Kennst Du jeman­den, der von sexua­li­sier­ter Gewalt betrof­fen ist? Oder befürch­test Du, sel­ber gewalt­tä­tig zu sein oder zu werden?

Dann fin­dest Du hier kom­pe­ten­te, anony­me und zumeist kos­ten­freie Beratung:

HILFETELEFON
116 016 und www​.hil​fe​te​le​fon​.de

HILFETELEFON GEWALT AN MÄNNERN
0800 123 990 0 und www​.maen​ner​hil​fe​te​le​fon​.de

ANTIDISKRIMINIERUNGSSTELLE DES BUNDES
0800 546 546 5 und www​.anti​dis​kri​mi​nie​rungs​stel​le​.de

TATGENEIGTE PERSONEN
www​.kein​-tae​ter​-wer​den​.de

HOTLINE DES BUNDES FÜR TATGENEIGTE PERSONEN
0800 7022240

KEIN TÄTER WERDEN
www​.kein​-tae​ter​-wer​den​.de

MÄNNER CONTRA GEWALT E.V.
www​.maen​ner​-con​tra​-gewalt​.de

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